Fokusthema "Immunvermittelte Augenerkrankungen beim Hund"

Der Begriff Autoimmunerkrankungen ist ein Sammelbegriff für Krankheiten, die durch eine überschießende Reaktion des Immunsystems gegen körpereigenes Gewebe hervorgerufen werden. Vermutlich handelt es sich dabei um eine fehlerhafte Prägung des Immunsystems. Dadurch erkennt das Immunsystem körpereigenes Gewebe irrtümlich als körperfremd und bekämpft es.

Gemeinsames Merkmal vieler Autoimmunerkrankungen ist die vermehrte Exprimierung von MHC -II-Antigenen ("major histocompatibility complex class II"), induziert durch von infiltrierenden CD4+-Lymphozyten
gebildetes Gamma-Interferon. Dadurch kommt es schließlich zu überschießenden Entzündungsreaktionen, die wiederum zu Schäden an den betroffenen Organen führen.

Bei Hunden sind eine ganze Reihe solcher Autoimmunerkrankungen bekannt. Hierzu gehören u.a. die Keratokonjunktivitis sicca (KCS; Trockenes Auge) und die Keratitis superficialis chronica (KSC; Schäferhundkeratitis, Pannus). Beides sind immunvermittelte Erkrankungen des Auges, die meist bilateral auftreten. Ohne Behandlung führen sie schließlich zum Erblinden des Tieres.

Autoimmunerkrankungen können nur symptomatisch behandelt werden. Ziel ist es, die fehlerhafte Aktivität des Immunsystems vor Ort zu dämpfen und so eine weitere Zerstörung der körpereigenen Zellen und die damit einhergehende überschießenden Entzündungsreaktionen zu unterbinden.

KSC und KCS können erfolgreich mit dem immunsuppressiv wirksamen Pilzwirkstoff Ciclosporin A (CsA) behandelt werden. CsA ist weder toxisch, noch kommt es bei den Patienten zu unerwünschten Nebenwirkungen. In der Humanmedizin wird CsA in der Transplantationsmedizin, Augenheilkunde und Dermatologie eingesetzt. In der Veterinärmedizin hat sich der Wirkstoff vor allem bei der lokalen Behandlung der KSC und KCS bewährt.

Vorteile gegenüber der Behandlung mit klassischen Immunsuppressiva (z.B. Kortikosteroidpräparaten) sind:
• Gute Verträglichkeit
• Lokale Wirksamkeit
• Selektive Hemmung von T-Zellen
• Keine immunsupprimierende Wirkung
• Dauerbehandlung möglich
• Nur 2x tägliche Behandlung notwendig

Bei immunvermittelten Augenerkrankungen werden Immunsuppressiva vor allem topisch als Tropfen oder Salbe eingesetzt. Neben der gewünschten Dämpfung der Immunantwort und der entzündungs- sowie schmerzhemmenden Wirkung, haben topisch angewendete Glukokortikoide bei Langzeittherapie auch hier verschiedene, schwere Nebenwirkungen. So induzieren sie u.a. die Bildung eines Glaukoms sowie Katarakts. Außerdem verringert sich durch sie die Dicke der Hornhaut mit der Zeit. Weiterhin begünstigen sie sekundäre bakterielle Infektionen des Auges.

Eine systemische Gabe von Kortikosteroiden führt aufgrund geringer Selektivität zu einer allgemein reduzierten Immunkompetenz. Dadurch können sie mannigfaltige, schwere systemische Neben- und Wechselwirkungen hervorrufen, weshalb sie nur in Ausnahmefällen und sehr gering dosiert langfristig eingesetzt werden dürfen. Darüber hinaus sind viele unerwünschte Interaktionen mit anderen Medikamenten bekannt wie NSAID, Digitalis, ACE-Hemmern und oralen Antikoagulantien.

CsA dagegen wirkt sehr selektiv vor allem gegen die T-Zellen und hemmt damit den Angriff des Immunsystems auf den eigenen Körper. Die allgemeine Immunabwehr mittels unspezifischer Immunantwort mit Granulozyten, Monozyten und Makrophagen bleibt dagegen auch während der meist lebenslangen Behandlung von Autoimmunerkrankungen mit CsA erhalten.

Daher bietet die topische Behandlung autoimmuner Augenerkrankungen mit CsA große Vorteile gegenüber der herkömmlichen Kortikostroidtherapie.

Mehr über KCS und KSC sowie über die zur Verfügung stehenden modernen Behandlungsmöglichkeiten finden Sie in diesem Fokusthema.